Eigene Wärmepumpe oder Wärmenetz – was ist wirtschaftlicher?

Für viele industrielle Prozesse reichen die Temperaturen eines Wärmenetzes von beispielsweise 90°C Vorlauf aus. Für die Raumheizung sowieso. Alternativ lässt sich diese Wärme mit einer eigenen Groß-Wärmepumpe erzeugen, beispielsweise unter Nutzung betrieblicher Abwärme.

Welche Lösung ist wirtschaftlicher?

 

Der erste Vergleich ist meist eindeutig - aber stimmt er auch?

Auf den ersten Blick scheint die Rechnung einfach: Man vergleicht den Wärmepreis des Netzes mit den Stromkosten der eigenen Wärmepumpe, geteilt durch deren Leistungszahl (COP).

Liegt der Strompreis beispielsweise bei 130 €/MWh und der Wärmenetzpreis bei 90 €/MWh, ergeben sich bei einem COP von 3,5 reine Stromkosten der Wärmepumpe von rund 37 €/MWh Wärme.

Das spricht zunächst sehr deutlich für die eigene Wärmepumpe. Doch dieser Vergleich greift zu kurz.

 

Entscheidend sind die gesamten Systemkosten

Eine eigene Wärmepumpe erfordert erhebliche Investitionen. Neben der Maschine selbst sind häufig die Erschließung der Wärmequelle, Rohrleitungen, Pumpen, elektrische Infrastruktur und die Einbindung in das bestehende Energiesystem zu berücksichtigen. Diese Investitionen lassen sich über die technische Nutzungsdauer annuitätisch bewerten. Gemeinsam mit den Strom-, Wartungs- und Instandhaltungskosten ergeben sich die tatsächlichen Wärmegestehungskosten.

Auch die Betriebsstunden spielen eine entscheidende Rolle: Je höher die jährliche Auslastung, desto geringer fallen die spezifischen Kapitalkosten je erzeugter Megawattstunde aus. 

Beim Wärmenetzanschluss ist die Investition in der Regel geringer. Dafür fallen dauerhaft Wärmekosten an, deren Entwicklung vom Liefervertrag und seinen Preisgleitklauseln abhängt.

 

Die beste Lösung kann auch eine Kombination sein

Besonders interessant wird die Betrachtung, wenn nicht nur zwischen zwei Alternativen entschieden wird.

Eine eigene Wärmepumpe kann beispielsweise die Grundlast abdecken, während das Wärmenetz die Spitzenlast übernimmt. Damit lässt sich die Wärmepumpe kleiner dimensionieren und besser auslasten. Gleichzeitig sinkt die erforderliche Anschlussleistung des Wärmenetzes.

Ob diese Kombination wirtschaftlich ist, hängt allerdings wesentlich von der Tarifstruktur ab. Ein hoher leistungsabhängiger Grundpreis kann den Vorteil einer geringen Netzbezugsmenge zunichtemachen.

Auch die Verfügbarkeit und das Temperaturniveau der betrieblichen Abwärme sind zu berücksichtigen. Nicht immer steht die Wärmequelle zeitgleich mit dem Wärmebedarf in ausreichender Menge zur Verfügung.

 

Die Wirtschaftlichkeit liegt oft zwischen den Varianten

In der Praxis untersuche ich deshalb nicht nur die Alternativen „Wärmepumpe“ und „Wärmenetz“, sondern auch unterschiedliche Leistungsgrößen und Kombinationen. Dabei können sich wirtschaftliche Kipppunkte zeigen: Bis zu einer bestimmten Leistung ist die eigene Wärmepumpe besonders attraktiv, darüber hinaus wird die zusätzliche Leistung wegen geringer Betriebsstunden oder höherer Erschließungskosten zunehmend teuer. Das wirtschaftliche Optimum liegt dann möglicherweise weder bei einer vollständigen Eigenversorgung noch bei einem vollständigen Wärmenetzanschluss.

 

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wärmepumpe oder Wärmenetz? Sondern: Welche Kombination aus eigener Wärmeerzeugung und externer Versorgung führt zu den niedrigsten Gesamtkosten?